Wehrklappen, Schütze, Dammtafeln, Grundablässe und Rechenreinigungsmaschinen sind Maschinen im Sinne des Maschinenrechts: bewegte Stahlbauteile mit Hydraulik- oder Spindelantrieb und einer Steuerung, die häufig aus der Warte fernbedient wird. In der Wasserkraft heißt der Anlass Revitalisierung, im Hochwasserschutz Ertüchtigung – technisch und rechtlich ist es dasselbe Thema. 4S begleitet Kraftwerksbetreiber, Industriebetriebe mit eigener Wasserkraft und Stahlwasserbauer bei der CE-Konformität ihrer Anlagen und hat diesen Bereich zu einem Schwerpunkt der Maschinensicherheit gemacht.

Warum eine Wehranlage eine Maschine ist – und wer ihr Hersteller wird
Der Stahlwasserbauer liefert den Verschluss meist als unvollständige Maschine mit Einbauerklärung, das Hydraulikaggregat kommt vom Hydraulikhersteller, die elektrische Anlage vom Elektrounternehmen nach Niederspannungsrichtlinie, die Statik vom Ziviltechniker. Jeder liefert korrekt – und am Ende fehlt die Konformitätsbewertung für die Gesamtheit, weil niemand die Rolle des Herstellers übernommen hat. Genau hier setzen wir an: Wir führen die Einbauerklärungen und Teildokumentationen in einer Risikobeurteilung der Schnittstellen zusammen, benennen die offenen Anforderungen und erstellen die Dokumentation für die CE-Konformitätsbewertung nach Maschinenrichtlinie bzw. ab 20.01.2027 Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Die wasserrechtliche Bewilligung ersetzt diesen Nachweis nicht – und umgekehrt.
Revitalisierung und Ertüchtigung: Artikel 18 der Maschinenverordnung
Eine Wehrklappe aus den 1970er-Jahren bekommt einen neuen Hydraulikzylinder, eine neue Steuerung und wird künftig aus der Warte fernbedient. Ab dem 20.01.2027 gilt: Wer eine Maschine wesentlich verändert, wird zu deren Hersteller – mit Risikobeurteilung, technischer Dokumentation, Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung. Die Schwelle ist erreicht, sobald durch die Änderung eine neue Gefährdung entsteht oder ein bestehendes Risiko steigt und deshalb eine Schutzmaßnahme mit Eingriff in die Sicherheitssteuerung nötig wird. Bei einem Verschluss, der künftig ohne Sichtkontakt fährt, ist das schnell der Fall. Wer das vor dem Umbau mit einer Umbaubewertung klärt, entscheidet selbst über den Umfang; wer es danach klärt, diskutiert mit Behörde oder Versicherer.
Typische Gefährdungen an Wehranlagen und Schützen
- Quetsch- und Scherstellen am Verschluss bei Fernbedienung und unerwartetem Anlauf – Personen im Wehrfeld, am Rechen oder im Schacht sind aus der Warte nicht sichtbar.
- Hydraulik: gespeicherte Energie, Leckagen, Öl im Gewässer, Notabsenken bei Stromausfall (EN ISO 4413).
- Zugänge: Leitern, Podeste und Stiegen nach EN ISO 14122, Anschlagpunkte nach EN 795, Rettung von Personen aus Wasser und Bauwerk.
- Hochwasser, Überflutung des Bauwerks und Stromausfall: Notantrieb, Handbetrieb, sicherer Zustand des Verschlusses.
- Eis, Treibgut und Witterung an Sensorik, Endschaltern und Kameras im Außenbereich.
- Fernzugriff und Steuerung: Schutz gegen Manipulation und unbefugten Zugriff, wie ihn die Maschinenverordnung ausdrücklich fordert.
Normen und Regelwerk
EN ISO 12100 für die Risikobeurteilung, EN ISO 13849-1 für den Performance Level der Sicherheitsfunktionen (Not-Halt, ggf. Endlagenüberwachung, Freigabe), EN ISO 4413 für Hydraulik, EN 60204-1 für die elektrische Ausrüstung, EN ISO 14122 für Zugänge, EN 795 für Anschlagpunkte sowie die Niederspannungs- und EMV-Richtlinie für die elektrischen Anlagenteile. Welche Normen als harmonisierte Normen Konformitätsvermutung auslösen, prüfen wir projektbezogen.
Beispiele aus unseren Projekten
- Mehrere Kraftwerksanlagen: Risikobeurteilung der Schnittstellen zwischen Turbine, Leittechnik und Stahlwasserbau, CE-Bewertung und Begleitung von Umbauten.
- Neu errichtete Wehranlage: Fischaufstiegshilfe, Dammtafel, Schütz mit Klappe und Wehrklappe – die Einbauerklärungen von Stahlwasserbau, Hydraulik und Elektrik in einer CE-Konformitätsbewertung zusammengeführt, inklusive Betriebsanleitung, Performance-Level-Nachweis und Validierung.
- Wehranlage mit Wehrklappe, Gleitschützen und Coanda-Rechen: vollständige CE-Dokumentation für den Betreiber.
- Hochwasserschutz-Schütz für den Hersteller: Risikobeurteilung, Ergänzung der Betriebsanleitung, Performance Level, Validierung und CE-Konformitätsbewertung als Paket zum Verschluss.
Unsere Leistungen im Stahlwasserbau
Für Betreiber: Risikobeurteilung der Gesamtanlage und ihrer Schnittstellen, CE-Konformitätsbewertung mit Zusammenführung aller Lieferantendokumente, Umbaubewertung vor der Revitalisierung, Validierung vor Inbetriebnahme und Gefahrenanalyse für den Bestand. Für Stahlwasserbauer: das komplette CE-Paket je Verschluss – Sie bauen, wir dokumentieren – damit die CE-Kennzeichnung, die Sie Ihren Auftraggebern schulden, belastbar im Angebot steht. Leistungsumfang siehe Paket CE-Konformität gesamt und Paket Umbaubewertung.
Sie planen eine Anlage, stehen vor einem Umbau oder brauchen die fehlende Konformitätsbewertung? Sprechen Sie mit uns – wir sagen Ihnen nach einem kurzen Gespräch, welcher Weg für Ihr Projekt der richtige ist.
